Boden unter den Fuessen
Jetzt haben endlich den Boden unter den Füssen. Was schon der Bauzaun angekündigt hatte wurde nun Wirklichkeit: Die Fa. Kaffenberger begann mit den Arbeiten der Bodenplatte. In der Fachsprache nennt man das Gründung und klingt in der Baubeschreibung wie folgt:
„Stahlarmierte tragende Bodenplatte aus WU-Beton C 25/30, wird nach der statischen Berechnung einschließlich der Sauberkeitsschicht (10cm Rollkieskörnung, 16-32er Körnung als Filterschicht bzw. als kapillarbrechende Schicht) hergestellt. Als Feuchtigkeitsisolierung wird zusätzlich eine Kunsstofffolie auf die Sauberkeitsschicht gelegt. Die Bodenplatte wird umlaufend mit mindestens 5cm starken Styrodor gedämmt…Die kellergeschosswände, 25cm stark, werden gemäß Statik in schalungsrauher Vollschalung mit Ortbeton gebilder und errichtet. Zwischen Bodenplatte und Betonwand wird ein Fugenbank Pentaflex eingebaut.“
Was hier so harmlos klingt ist eine tierische Arbeit. Zunächst einmal wurde die Umrandung der Bodenplatte mit Holzbretten umbaut (verschalt) und abgestützt. Das begrenzt den Fluss des Betons beim Einfüllen.
Während ich bisher das Wort Wireframe (auf deutsch Drahtgeflecht) immer nur mit 3D-Animationen in Verbindungen gebracht habe, konnte man auf der Baustelle mal sehen, was das wirklich heißt. Die Bodenplatte wurde zunächst komplett als Drahtgeflecht gebaut und die Stellen, die eine besondere Tragkraft haben müssen, wurden noch einmal speziell mit Eisen verstärkt. Als Laie hat mich das schon beeindruckt. Angeblich befinden sich in der Betonplatte allein ca. 4-5 Tonnen Stahl!
Nach getaner Arbeiten fuhren die Betonmischer an.
Vier Stück waren es – mit Hilfe der Betonpumpe und langem Arm wurde die Verschalung aufgefüllt.
Während des Einfüllens wurde parallel die Oberfläche glatt gezogen und später noch gerüttelt :
„Die am meisten angewandte Verdichtungsart ist das Rütteln.Der Beton wird in Schwingungen versetzt, wobei sich die innere Reibung stark vermindert. Ist die Rütteleinwirkung ausreichend, so nimmt der Beton während des Rüttelns etwa die Eigenschaften einer zähen Flüssigkeit an. Er fließt unter dem Einfluß der Schwerkraft und füllt dabei Hohlräume aus. Die Zuschlagkörner führen Eigenbewegungen aus und sinken dabei im Zementleim nach unten oder steigen nach oben, je nachdem, ob ihr Gewicht größer oder kleiner ist als ihr Auftrieb. Gleichzeitig schachteln sie sich ineinander und nehmen eine dichtere Lagerung ein.“ – Quelle: www.b-i-m.de
Am beeindruckensten war die Arbeit natürlich für Jonas (mit Mama), der endlich mal live und in Farbe echte Betonmischer, eine Betonpumpe und viel Trubel an der Baustelle begutachten konnte.
Die einzigen Bedenken, die ich hatte, waren, daß einer der drei Maurer vielleicht zu lange auf der Bodenplatte stehen bleiben könnte – der Beton härtet nämlich recht schnell aus…
Jetzt habe ich auch verstanden, was mit dem Fugenbank aus Pentaflex gemeint war. Dachte ich noch vorher ganz naiv, was ein flaches Band zwischen Platte und Wänden denn für einen Sinn haben könnte, löste sich das Rätsel „hochkannt“. Ein Band wurde noch vor dem Aushärten der Bodenplatte hochkannt eingeführt, so daß es teilweise in der Bodenplatte steckt und teilweise herauslugt. „Darüber“ wird die Mauer des Kellers gegossen, so daß der Schlitz zwischen Mauer und Platte senkrecht durch dieses Pentaflex-Band abgedichtet ist.
Kaum war die Bodenplatte erstellt, ging es am nächsten Tag auch schon weiter mit den Kellerwänden. Wenn schon die Bodenplatte beeindruckend war, wurde es jetzt noch besser. Rundherum wurden riesige vorgefertigte Schalwände aufgebaut – wie eine Wand für eine Wand.
Und dann fingen die Jungs schon wieder an, ein Drahtgeflecht, jetzt für die Wände, zu bauen. In dieses wurden noch die Ausschnitte für die Fenster geschnitten und mit weiteren Schalungsbrettern ausgefüllt. Zu guter Letzt wurde das Wand-Drahtgeflecht von Innen mit Schalungswänden versehen. Wie in Hochsicherheitstrakt sieht das aus:
Samstag wollte ich mir das Werk von Freitag anschauen und war überrascht: Es war reger Hochbetrieb an der Baustelle – die Kollegen von der Fa. Kaffenberger hatten Freitag kurzfristig entschieden, die Innenverschalung fertigzustellen und den Betonmischer für Samstag zu bestellen. So konnte der Keller am Samstag gegossen werden und sich, wie unsere Jungs von der Baustelle, in das Wochenende begeben und zur Ruhe kommen.